Blog: Schlank war gestern - 100 Kilo Lebensfreude!

9. Mai, 2017

Nein, belastbare Zahlen habe ich nicht. Nur so ein Gefühl. Wenn ich nach Paris fahre, um meine Tochter und die Enkelkinder zu besuchen, kommen mir die Bewohner der französischen Metropole – im Gegensatz zu uns Deutschen – alle schlank und rank vor, vor allem die Damen. Vielleicht liegt es daran, dass sie alle immer über die Straßen hetzen – von Zuhause irgendwo in der Vorstadt zum Geschäft oder Büro, von dort zum Businesslunch, vom Businesslunch zum Shoppen, wieder ins Büro und dann zur Schule, um die Kinder abzuholen. Das macht schlank.

Vielleicht liegt es aber auch daran, wie meine mittlerweile assimilierte Tochter behauptet, dass die Franzosen viel regelmäßiger essen als wir Deutsche. Morgens, mittags und abends. Gegen diese These spricht allerdings, dass der Franzose in der Normandie oder anderen Provinzen bei weitem nicht mehr so drahtig ist wie der Pariser – trotz des auch dort üblichen regelmäßigen Essens. Es muss schon etwas mit der Stadt Paris zu tun haben, dass die Schönen und Reichen dieser Stadt in der Regel ein Slim-Format haben.

Vielleicht sind die Pariserin und der Pariser auch einfach nur konsequenter und achtsamer. Was für den Deutschen wohl nicht so gilt, wie Zahlen der STADA Arzneimittel AG bestätigen. 61 Prozent der Deutschen fühlen sich zu dick. Diese Erkenntnis bleibt aber meist ohne Folgen. Denn 64 Prozent dieser übergewichtigen Deutschen machen niemals Sport.

Nun, regelmäßig Sport macht die Pariserin wohl auch nicht. Dazu hat sie (siehe oben) überhaupt keine Zeit. Sie achtet trotzdem auf ihre Figur. Sie isst regelmäßig, aber mäßig. Und vor allem: Sie nascht nicht zwischendurch. Keine Butterbrezel als zweites Frühstück, kein Küchlein am Nachmittag und kein Cracker am Abend. Das scheint es zu bringen – zusammen mit der Rennerei über all die Boulevards.

Okay, ohne Zwischenmahlzeiten auszukommen, das bekomme ich auch hin, vor allem, wenn ich in Paris bin. Aber warum soll ich über den Boulevard St. Michel hetzen, wo an jeder Ecke doch ein Kaffee oder Coupe de Champagne auf mich warten. Abnehmen in Paris – das klappt bei mir wohl eher nicht.

23. Apr, 2017

Ja, ich gebe es zu. Meine Lebensfreude war in den letzten Wochen und Monaten doch etwas ausgeprägter, so dass es nicht bei den gewünschten 100 Kilo geblieben ist. Alles auf der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen, fand schon ein gewisser Geheimrat namens Goethe. Es ging eigentlich ganz schnell, schwupps – und schon zeigte das unerbittliche Digital-Display meiner Waage 106,5 Kilo an.

Nun ist es nicht so, dass mir jetzt meine Freuden in Form von köstlichen Speisen und süffigen Getränken im Nachhinein leidtun. Nein, das passte schon – wie der Schwabe sagt. Doch leider passen mir jetzt meine Hemden nicht mehr, die Jacketts gehen nicht zu, und die Hosen zwicken und zwacken. Auch das wäre alles noch zu ertragen. Und zu lösen – wozu gibt es spezialisierte Herrenausstatter? Doch das ist auch noch die beste aller Ehefrauen. Sie findet plötzlich, dass ich tagsüber fürchterlich schnaufe und nachts laut schnarche. Meine Erwiderung, dass ich das Atmen nicht einstellen könne, ließ sie nicht gelten.

Bei so viel Unverständnis blieb mir wegen des häuslichen Friedens gar nichts anderes übrig, als mich wieder einmal ernsthaft mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass weniger nicht vielleicht doch besser ist.

In dieser Situation kam mir Andreas Winter gerade recht. Er ist Pädagoge und Autor. Schon der Name seines Institutes Powerscout Wellness Coaching hat mich tief beeindruckt – wow! Seine Hauptthese gefiel mir natürlich auch: Abnehmen ist leichter als Zunehmen. Darauf hat die Menschheit doch gewartet: Mit der gleichen Schnelligkeit, wie ich mir die Currywurst mit Pommes auf die Hüfte packe, werde ich die so angefutterten Kilos wieder los. Und das ganze ohne Sport und sonstige Qualen – sondern allein durch Kontrolle meiner Gedanken.

Okay, ich gebe zu, zuweilen wirre Gedanken zu haben. Das muss man dann schon ein bisserl fokussieren, wenn es denn etwas bringen soll. Zunächst muss ich mir, so Andreas Winter aus Iserlohn, über drei Dinge im Klaren sein.

Erstens: Es gibt falsche Glaubenssätze, die wir im Laufe unseres Lebens ungeprüft übernommen haben. Von denen muss man sich lösen. Was bedeutet das nun für meine Currywurst? Nun ja, es stimmt schon, dass ich die weltweit verbreitete Meinung, dass eine mit Curry zubereitete Wurst ganz besonders lecker sei, ungeprüft übernommen habe. Wenn man diesen Glaubenssatz nicht immer wieder propagieren würde, käme ich von selbst wahrscheinlich gar nicht auf die Idee, eine Wurst mit Curry zu würzen.

Zweitens: Wir sollen uns hüten, aus falschen Beweggründen zu essen. Was könnte der Powerscout Wellness-Coach damit wohl meinen? Richtig. Mit 106,5 Kilo kann ich nicht behaupten, es ging ums Überleben. Schließlich habe ich ordentlich was zum Zusetzen.

Drittens: Wir sollen damit aufhören, die Vorteile, die durch das Übergewicht erreicht werden, zu betonen. Welche Vorteile? Mit der Beantwortung dieser Frage tue ich mich etwas schwer. Meint er damit, dass dicke Männer eher in Chefpositionen befördert werden als dünne Hungerhaken?

Meine Zusammenfassung: Ich löse mich von der Meinung, dass eine Currywurst lecker sei. Und deshalb verzichte ich auf sie. Ich esse nicht mehr aus Lust oder Frust, sondern nur noch, wenn der Körper es zum Überleben braucht. Und: Den Quatsch, dass Dicke besser behandelt werden, habe ich eh nie geglaubt.

Aber irgendwie scheint die Sache mit den Gedanken bei mir nicht zu funktionieren. Ich komme mir nach diesen Einsichten keineswegs leichter vor. Und die Waage zeigt immer noch 106,5 Kilo an. Dafür erfasst mich eine ungewohnt schlechte Laune. Da halte ich es doch lieber mit meinem alten Grundsatz: Was soll das schlechte Leben? Bitte eine Currywurst mit Pommes! Mayo und Ketchup natürlich auch.

Ja, ja, ja! So komme ich natürlich nie wieder auf 100 Kilo. Oder vielleicht doch? Es müssen ja nicht drei, vier Currywürste in der Woche sein. Ein, zwei tun es auch, um bei Laune zu bleiben.

7. Mrz, 2017

Der Mensch an sich tendiert zur Bequemlichkeit. Eigentlich ist er nicht dazu geschaffen, sich anzustrengen oder gar zu quälen. Aus dieser Lethargie wacht er immer nur auf, wenn es ums Überleben geht. Zum Beispiel in früheren Zeiten, als man die Nahrung noch selber jagen musste. Oder als es in früheren Jahrhunderten galt, die Familie und das eigene Leben vor bösen Tieren oder zum Teil auch vor Mitmenschen zu retten. 

Heutzutage sind diese Arten von existenziellen Bedrohungen eher rückläufig. Die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft sind ganz andere geworden. Zum Beispiel: Wie stärke ich meinen Körper, um gesund zu bleiben? Oder wenn ich schon krank bin: Was kann ich für meinen Körper tun, um wieder gesund zu werden? 

Ein weit verbreitete Reaktion auf solche Fragen ist der Wunsch, sein Körpergewicht zu reduzieren. Und das kann man auf vielfältige Art und Weise erledigen. Durch stundenlanges Joggen durch den Wald, zum Beispiel. Oder man kann sich mit diversen Kraftmaschinen auseinandersetzen. Beide Möglichkeiten stehen aber im starken Widerspruch zur eingangs erwähnten Grundtendenz zur Bequemlichkeit. Deshalb scheitern diese Bemühungen auch häufig.

Dr. Steven Faulkner von der britischen Louhborough University hat nun herausgefunden, dass es dieser Anstrengungen gar nicht bedarf und eine Lösung gefunden, die der Gattung Mensch eher entspricht: Lass Dir eine Badewanne ein und plantsche Dich schlank!

Der Wissenschaftler hat es natürlich anders formuliert: Während des Aufenthaltes in einem warmen Bad verbrauchten alle Teilnehmer der Versuchsreihe 80 Prozent mehr Energie als sonst. Sein Fazit: Baden ist genauso effektiv wie Sport! Zumindest bei der Fettverbrennung.

Und wenn Sie dann noch ein Glas Rotwein dazu trinken – dann werden Sie fit wie ein Turnschuh!

Okay, Spaß muss sein.

Die entspannende Wirkung eines Bades in einer warmen Wanne ist unstrittig. Wer einen stressigen Arbeitstag hatte und sich am Abend ein Bad gönnt, der wird schnell merken, wie angenehm es ist, in dieser Atmosphäre die Diskussionen und Entscheidungen noch einmal zu reflektieren. Die Ereignisse werden sortiert und gewichtet – in Ruhe und mit Abstand. Und häufig ergeben sich daraus neue Ansätze für den neuen Tag.

Die Studie von Dr. Faulkner sollte man auch nicht in die Tonne werfen. Denn dadurch ist jetzt auch die Anregung zur Fettverbrennung durch ein wohliges Bad wissenschaftlich belegt.

Entspannung und Fettverbrennung dient der Gesundheit. Beides tut uns gut.

Wir sollten nur nicht erwarten, dass dadurch die Kilo purzeln und die Muskelkraft deutlich steigt.

(Dieser Beitrag wurde auf dem Blog von Wiebecke Consulting, Wangen, veröffentlicht: http://blog.wiebecke-consulting.de/ )

10. Feb, 2017

Manche Medien überraschen einen dann doch immer wieder. Nein, wir setzen hier die unselige Diskussion über Fake-News nicht fort. Es geht eher um den Adenauer-Spruch: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.

Von vorn: Die „Brigitte“, einst das Zentralorgan aller deutschen Frauen-Gruppen, ist berühmt für ihre gleichnamige Diät. Sie gilt als ausgewogen, schmackhaft und dennoch wirkungsvoll, zumindest temporär. Zu den Grundprinzipien der „Brigitte“-Diät gehört, dass man sich regelmäßig wiegt. Am besten täglich. So weit, so gut.

Jetzt gab die gleiche Redaktion jedoch eine ganz neue Parole aus: Fünf Gründe, warum wir uns nicht mehr wiegen sollten, heißt es da plötzlich. Die Erklärung ist schlüssig. Naja, halbwegs.

Erstens: Weil uns das Idealgewicht nicht glücklich macht.

Alles nur schnöde Zahlen – die Kilo-Angaben oder die Kleidergrößen. Hauptsache es geht uns gut. Die Diät-Redaktion ist ganz offensichtlich in Urlaub.

Zweitens: Weil uns das Wiegen stresst.

Es folgt ein Plädoyer gegen das verbissene Kalorienzählen. Das würde direkt in die Depression führen, weil „der Fokus aufs kalorienarme Essen uns Lebensfreude und Energie raubt“. Aber hallo!

Drittens: Weil wir lieber unseren Körper anschauen als ein Display.

Naja. Ein gut gebautes Display  hat schon seine Reize. Kleine Speckröllchen haben – ohne Zweifel – auch ihren Charme. Aber will man sie immer und immer anschauen. Wohl eher nicht.

Viertens: Weil wir einem seelenlosen Gerät keine Macht über uns geben.

Den Kampf haben wir doch längst verloren. Seit der Einführung von Smart-Telefon und iPad sind technische Geräte doch übermächtig geworden. So eine kleine Waage spielt bei diesem Thema doch keine Rolle mehr.

Fünftens: Weil das Gewicht nicht über den Fettgehalt unseres Körpers aussagt.

Ja, das rede ich mir auch immer ein. Mein Gewicht ist nur angestiegen, weil ich so viel Sport gemacht habe. Sie wissen, dass man dabei gigantische Muskeln aufbaut.

Als Sternzeichen Waage tendiere ich zum Kompromiss: Vielleicht muss man sich nicht jeden Tag wiegen, vielleicht reicht es aus, wenn wir es alle drei oder vier Tage machen. Spätestens aber dann, wenn die Jacke zwickt.

14. Dez, 2016

Ich bin ein glücklicher Mensch – trotz meiner stolzen 100 Kilo Lebendgewicht. Einzig allein das immer wiederkehrende Gefühl, das schlankere Menschen irgendwie schicker, ja eleganter aussehen als ein Mann mit Format, macht mir Kummer. Gelegentlich.

Da wundert es nicht, dass ausgerechnet ich auf der Website von Happy Size gelandet bin. Wenn nun auch noch diese nagenden Zweifel per Klick verschwinden könnten – mein Glück wäre perfekt. 

Happy Size versteht mich. Schon auf der Seite „Über Happy Size“ wird das ganz deutlich. „Unser Ziel ist es, nicht nur Mode zu verkaufen, sondern Glücksmomente zu verschenken. Aus Plus Size machen wir Happy Size.“ Glückliche Größe. Das ist es doch. 

Und weiter heißt es: „Wir von Happy Size wissen, was unseren Kunden steht.“ Nun gut, meine mich liebende Ehefrau will da sicher auch noch ein Wörtchen mitreden, aber warum sollte man den Glücksbringer aus dem Internet nicht eine Chance geben.

Am Anfang des neuen Glücks steht die Figurberatung. Die männliche Welt wird dort in vier Gruppen aufgeteilt: etwas mehr Bauch, kräftiger Hals, groß gewachsen und kurze Beine.

Nur die Kategorie „etwas mehr Bauch“ kommt für mich infrage. Alles andere trifft es irgendwie nicht, erfüllt zum Teil den Tatbestand der Beleidigung. Der Rat für glückliche Männer: „Bei etwas mehr Bauch sollten Sie versuchen, von ihrer Taille abzulenken – wählen Sie am besten Shirts und Hemden, die den Bauch locker umspielen.“

Na gut, mir kommen erste Zweifel, dass die von mir gewünschte Eleganz so erreicht wird. Aber ich sage mir: Du musst die Realitäten anerkennen. Weiter geht’s!

Unter „Do’s“, der launig-kurzbeinigen Form der To-Do-Liste, finde ich noch andere gut gemeinte Hinweise. Zum Beispiel: „Wählen Sie Oberteile im Spezialschnitt – hier ist der vordere Teil etwas länger als der Rückenteil geschnitten.“  Die Sinnhaftigkeit dieser Aussage verstehen vermutlich nur Experten. Ich grummele: So stark wölbt sich mein Bauch nun auch wieder nicht, dass er Zusatzlängen benötigt. Da geht es wohl eher um, naja, ausreichende Weite.

Da die Figurberatung nicht ganz so optimal – und damit nicht wirklich glücksbringend – gelaufen ist, geben wir Happy Size noch eine Chance mit der Größenberatung. 

Unter Spezial-Bauchschnitt heißt es dort: Mit diesem speziellen Schnitt haben Jeans/Hosen eine verkürzte Leibhöhe und einen konvexen Bundverlauf. Dadurch können Sie unter dem Bauch getragen werden. Jo mei, genauso habe ich mir das vorgestellt. Die Plauze hängt locker über dem Gürtel. Zur Freude der mich liebenden, noch liebenden Gattin. Und zu meiner auch. Sie erinnern sich an die Schlüsselworte schick und elegant.

Die Farbberatung habe ich mir darauf geschenkt. Wenn ich nun ein „Frühling“ wäre und Farben wie Türkis und Pfirsich tragen müsste, könnte ich mein Glück kaum noch aushalten.