15. Jun, 2016

Jockels Lebensfreude-Tipps (3): Weniger ist mehr!

Unsere Väter hatte da klare Vorstellungen: Die Portionen mussten vor allem eines sein – reichhaltig. Die Qualität eines Essens wurde häufig an der Menge gemessen, der Teller musste randvoll sein. Dieses Verhalten ist durch die Versorgungsängste der Kriegsgeneration ausgelöst worden, war und ist deshalb nachvollziehbar. 

Bei mir, geboren nach 1945, sollte dieser Reflex nicht mehr so ausgeprägt sein. Jedenfalls habe ich keine schlüssige Begründung für übermäßigen Verzehr. Es bleibt einfach nur eine große Gier. 

Erst im Laufe der Jahre wurde auch ich zu einer differenzierten Einordnung fähig – Rückschläge nicht ausgeschlossen. Verzehr ist nicht automatisch auch Genuss. 

Das fängt beim Trinkverhalten an. Konkretes Beispiel: Ein oder maximal zwei 0,2-Liter-Gläser Wein bei Tisch sind für einen Genussmenschen völlig ausreichend. Alles, was über einen halben Liter hinausgeht, lenkt vom feinen Geschmack eines guten Essens nur ab. Man kann auch sagen, die Geschmacksnerven werden betäubt oder benebelt. 

Oder: Eine Portion der Rinderfiletstreifen (plus wunderbarer Soßen) von Sumi, Schinkelstraße (für mich der beste Japaner in Düsseldorf), statt einer überdimensionierten heißen Pfanne mit Rinderfiletstreifen vom Chinesen. Gut gemeint und gut geschmeckt sind eben zweierlei. 

Und noch ein Beispiel aus meiner alten Zwischenheimat in Süden: Das Wiener Schnitzel vom Kornmesser in Bregenz ist zwar kleiner als das Super-Riesenschnitzel  in dem einen oder anderen Allgäuer Restaurant. Aber es ist auch feiner.

Generell gilt: Es muss auch nicht immer Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch sein. In der Pariser Brasserie La Coupole wird das Menü des Tages immer auch im wahrsten Sinne des Wortes „abgespeckt“ angeboten: Vorspeise/Hauptgang oder Hauptgang/Nachtisch. Wie gesagt: Weniger kann mehr sein!