15. Jul, 2016

103 Kilo - so schön war es!

Eine gastro-kinesiologische Selbsterfahrung im Allgäu:

 Nein, es war nicht mein erklärtes Ziel, in zehn Tagen drei Kilo zuzunehmen. Mit genau 100 Kilo hatte ich es mir gerade so nett eingerichtet. Es ging mir gut, ich fühlte mich wohl . Und eine Sloganzeile ging mir immer wieder durch den Kopf: Ich will so bleiben, wie ich bin ...“ Sie wissen schon: Schlank war gestern!

 Es kam so einfach über mich – die Sonne strahlte (was in Wangen im Allgäu nicht immer der Fall ist), wir trafen nette Menschen, gute, alte Freunde, die sich freuten, uns zu sehen (und umgekehrt), eine große Vertrautheit (schließlich haben wir 15 Jahre hier glücklich gelebt). Das alles führte zu einer gastro-kinesiologischen Grundstimmung, die sich nicht aufhalten ließ. Es musste sein.

 Zum Beispiel der Wurstsalat im Garten von Leo’s Stallbesen in Niederwangen. Einfach, aber gut. Vor allem aber groß und deftig. Nichts für Düsseldorfer Kö-Damen, die ihre Nahrungsaufnahme auf Salat-Pickerei reduzieren. Mit Grünzeug schafft man das nicht – ich meine, das mit den drei Kilos in zehn Tagen.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss man schon Grenzen überschreiten. Zum Beispiel den Sulzberg erklimmen, eine propere Gemeinde wenige Meter hinter der ehemaligen deutsch-österreichischen Grenze. Im Gasthof Alpenblick der Familie Giselbrecht wartet der Zwiebelrostbraten auf mich. Mit knusprigen Bratkartoffeln, kross-braunen Zwiebeln und feinen Speckböhnchen. Ein kulinarischer Höhepunkt – und nicht nur, weil man in 1015 Metern Höhe einen wunderbaren Blick auf die Allgäuer Berge und den Bregenzer Wald genießen kann. 

Um die Kugelform zu perfektionieren, die bergab besonders windschlüpfrig sein soll, gibt es zum Abschluss im Alpenblick noch einen Kaiserschmarren – fluffig aufgemischt mit Rumrosinen und karamelisiertem Zucker.

Wieder im Tal angekommen, muss man erst einmal eine Pause machen und die Nahrungsaufnahme vorübergehend einstellen. Die Betonung liegt auf vorübergehend. Am nächsten Tag geht es auf zu neuen Taten. Die mittelalterliche Stadt Wangen ist berühmt für den Leberkäs beim Fidelisbäck. Diese würzig duftende Wurstpastete, in Scheibenform frisch aus dem Ofen serviert, muss sein. Kombiniert mit einem oder zwei knackigen Salz-Hörnle ist der Allgäu-Genuss perfekt. 

Der Allgäuer achtet sehr auf Traditionen – gewisse Vorlieben werden von Generation zu Generation weitergereicht. Da verwundert es nicht, dass die Mohrenpost in Wangen einen ganz speziellen Kinderteller anbietet. Das Schnitzel – wohlgemerkt: das Kinderschnitzel – hat solche Dimensionen, dass anderenorts selbst Erwachsene aufgeben würden. Dass die Portion Pommes entsprechend ist, versteht sich von selbst. So is(s)t halt der Allgäuer.

Und da man als Allgäu-Besucher aus Düsseldorf ja weltoffen ist, geht man natürlich auch zum Italiener. In Wangen ist das Franco Carlucci. Bei „Da Franco“ gab es für mich auf besonderen Wunsch etwas ganz Schlichtes: Kalbschnitzelchen mit Butter-Spaghetti. Okay, auch nicht gerade ein Diät-Essen. Aber halt lecker.

Nach zehn Tagen war Schluss mit der Regional-Völlerei. Es fing an zu regnen – und wir fuhren heim. Die meisten Menschen erinnern sich mit vielen bunten Fotos an ihre Urlaubstage. Bei mir ist das anders: Mir reicht ein Blick auf die Waage. 103 Kilo – so schön war es!