11. Aug, 2016

Model mit Format: Mit einem Formular fängt alles an

Die Chefin der Model-Agentur selbst hat mich aufgefordert, mich zu melden. Das ist zwar schon etwas her, macht mir aber trotzdem immer noch Mut. Außerdem hat sie in einem Interview erklärt, dass Männer mit Format gesucht sind. Und Format habe ich zu bieten – 100 Kilo Lebensfreude.

Von der neuen Karriere zu spinnen ist das eine, es dann auch umzusetzen ist etwas ganz anderes. Ich mach es jetzt einfach mal ... 

Die erste Hürde: Man muss online-affin sein. Kein Problem. Der Online-Fragebogen für die Bewerbung ist fix runtergeladen. Es kann losgehen.

Ich lasse mich dabei auch nicht durch einschränkende Hinweise ablenken. Zum Beispiel den: „Im Moment nehmen wir nur noch Models auf, die bereits Erfahrung haben!!!“ Man beachte die drei Ausrufezeichen. Erfahrung habe ich – selbst als Model. Das ist zwar schon 50 Jahre her, aber mit erstklassigen Bildmaterial zu beweisen. Wer kann das schon?

Gehen wir zu den Detailfragen, die meine Zuversicht stärken. 

Mindestgröße 173 cm – das krieg ich hin.

Maximalgröße 180 cm – Glück gehabt. Im Laufe der Jahre schrumpft man, aus 183 cm sind mittlerweile 180 cm geworden. Das passt doch.

Außerdem soll man „hübsch“ sein. Nun, meine Lebenserfahrung sagt mir, dass das Ansichtssache ist. Das sollen dann doch besser andere beurteilen. Alles andere wäre eitel. Aber ein bisserl eitel muss man in dem Job ja schon sein – oder?

Nächstes Stichwort: gut proportioniert. Okay, das behaupte ich ganz einfach mal. Auf jeden Fall sind meine 100 Kilo so verteilt, dass man sie mir nicht unbedingt gleich ansieht. Ich hab halt schwere Knochen ...

Fotogen? Wenn man mich nicht gerade beim Essen fotografiert und ich Gelegenheit habe, mein Fotogesicht zu machen – ja!

Der nächste Punkt könnte zu Diskussionen führen: tänzerisch begabt. Ich sage dazu eindeutig ja. Und fühle mich durch die Aussagen meiner mich liebenden Gattin gestärkt. Sie nennt mich in diesem Zusammenhang gerne Tanzbärchen. Ich nehme das mal als Kompliment – und als Zustimmung.

Zum Schluss  gibt es noch einen Ausblick: Man fragt mich, wo und wie ich einsetzbar bin.

Ganzkörper: ja; Porträt: auf jeden Fall; Modenschau: wenn mein Knie wieder mitmacht; Wäsche/Dessous: man muss nicht alles ankreuzen; TV/Film: gerne doch; Werbung: warum nicht; Akt: sehr witzig.

Bewerbungsfotos muss ich noch raussuchen. Auch hier gibt es strenge Kriterien: Die Fotos dürfen nicht unscharf sein. Gut, dann schalten wir halt den Weichzeichner ab. Und: Es sollte ausschließlich ich abgebildet sein. Sara (Nuru), ich muss Dich leider abschneiden. 

Wenn das erledigt ist, steht meiner neuen Karriere nichts mehr im Wege. Oder wie soll ich den Hinweis „Don’t call us, we call you“ verstehen?