3. Okt, 2016

Meine neue App: Abspecken durch Laufen

Okay – in meinem persönlichen Umfeld gibt es Stimmen, meist weiblich, die der Meinung sind, dass 100 Kilo schon genug sind. Einspruch, bei dieser Zahl war meine Lebensfreude bislang noch nicht reduziert. Alles passte, von dem einen oder anderen Jackett mal abgesehen. 

Doch dann kamen zehn Tage im Allgäu, zehn Tage auf der Nordsee-Insel Juist und eine missverstandene Bratwurst-Diät – und, hoppla, plötzlich waren es 105 Kilo. Die Korrektheit der Waage in Zweifel zu ziehen, brachte nichts – die körperlich spürbaren Symptome war zu deutlich. Schnaufen beim Treppensteigen, Kurzatmigkeit beim flotten Spaziergang, Probleme beim Aufstehen vom viel zu gemütlichen Sofa sprachen für sich: 105 Kilo sind eindeutig zu viel. 

Doch wie findet man zurück zur genossenen 100-Kilo-Lebensfreude?

Ich muss abnehmen. Mindestens fünf Kilo. Doch eine Diät machen, wo ich doch allen Diäten abgeschworen habe. Nein, ich versuche es nicht mit weniger, sondern mit mehr – mit mehr Sport. Da kam mir eine für mich neue App gerade recht aufs Display: Abspecken durch Laufen. Und das Ganze noch mit Musik im Ohr.

Das Programm ist vielseitig. Es gibt ein Angebot für Walker, eines für Menschen, die mit dem Laufen beginnen (als Erwachsene natürlich), eines, das fünf Kilometer zum Ziel hat, und eines, das helfen soll, zehn Kilometer locker zu bewältigen. Nun, nach einer mehrmonatigen (oder waren es mehrere Jahre?) schöpferischen Laufpause, habe ich mich für das Programm „Laufen für Beginner“ entschieden.

Als Lauflernschuhe benutzte ich meine alten Jogging-Schuhe. Die Begleitmusik darf ich selbst bestimmen. Rockmusik soll beim Laufen besonders motivierend sein. Den weiteren Ablauf flüstert eine sympathische Männerstimme ins Ohr. Eine Minute Laufen, zwei Minuten Gehen, eine Minute und 30 Sekunden Laufen, eine Minute Gehen ... Nach 35 Minuten gratuliert die Stimme zum erfolgreichen Abschluss der Übung. Ich füge mich – und genieße still meinen Erfolg. 

Was die beste Ehefrauen aller Ehefrauen dazu sagt, weiß ich schon: Und dazu braucht man eine App, kann der Mensch nicht einfach von selbst laufen? 

Natürlich hat sie Recht. Aber Männer haben nun mal eine Vorliebe für Zwangsstrukturen. Wir haben es gerne, wenn man uns sagt, was wir zu machen haben. Sollte sie eigentlich wissen ... 

Ob sich nach dem Erfolgserlebnis, die erste Einheit überlebt zu haben, weitere anschließen, muss man erst noch einmal abwarten. Nach 35 Minuten wurde einem nicht nur der Abschluss der Übung mitgeteilt, auch die Zahl der verbrauchten Kalorien: 435 waren es diesmal. Ziemlich viel. Ungefähr anderthalb Bratwürste könnte ich damit ausgleichen. Verschwinde, du fiese Versuchung!

Zum Foto: Damals bin ich noch ohne App aus- und angekommen - Berlin-Marathon 2006. Lang, lang ist es her!