25. Okt, 2016

Iss Dich schön! Aber bitte nicht mit Avocado ...

Es gibt Schlagzeilen, die sind mir einfach sympathisch. „Iss Dich schön!“ ist so eine. Die Vorstellung, das zu tun, was mir ohnehin Spaß macht (lecker essen) und trotzdem gut auszusehen, gefällt mir sehr. Wann sonst kann man auf so angenehme Art und Weise einen solchen Effekt erzielen?

Nun gut, ich hätte es bei der Schlagzeile belassen und mir den Text ersparen sollen. Dann wäre mir die Illusion geblieben, dass beides irgendwie zusammengehört – essen und Schönsein.

Die Ernüchterung kam auch in diesem Fall im Kleingedruckten. Jedenfalls für mich, der ich ein Gerne-Esser, aber auf keinen Fall ein Alles-Esser bin. Im Laufe der Jahre hat man auch in diesem Lebensbereich so seine Eigenarten entwickelt – und gepflegt.

Punkt für Punkt wird da aufgelistet, was bei der Verschönerung – vor allem der Haut – helfen soll. Das erklärt die Autorin des gesundheitsmedizinisch einwandfreien Textes ihren Lesern. Und ich bin plötzlich gar nicht mehr hungrig.

Schönmacher Nummer Eins soll Avocado sein, die grüne Frucht mit jeder Menge ungesättigter Fettsäuren. Jetzt werden einige sagen, ich stelle mich an, oder ich sei schrullig. Aber wenn ich etwas absolut nicht mag, dann sind es Avocados. Allein die glitschig-breiige Konsistenz dieser Frucht bereitet mir körperliches Unbehagen.

Es folgt der Grünkohl. Mit einer fetten Mettwurst oder einem saftigen Kassler kombiniert, kann ich mir das schon vorstellen. Aber so ist es wohl nicht gemeint. Grünkohl heißt jetzt Kale und wird als „chices Wintergemüse“ bezeichnet. Hier sind ja wohl die reichlich vorhandenen  Karotinoiden wichtiger als meine Wurst- oder Fleischbeilage.

Weiter wird der griechische Joghurt empfohlen. Nichts gegen unsere liebgewonnenen Miteuropäer, aber der hohe Anteil von Proteinen und probiotischen Kulturen macht mich skeptisch.

Hülsenfrüchte sollen es gleichfalls bringen – Linsen haben zum Beispiel einen sehr niedrigen glykämischen Index (was immer das auch sein mag). Die Folge: weniger Mitesser und Unreinheiten der Haut. Zu anderen, weit bekannteren Nebenwirkungen fragen Sie bitte ihre Mitbewohner.

Last but not least soll mich die Bitterschokolade schöner machen. Schokolade wäre ja in Ordnung, aber Bitterschokolade? Das zieht’s mir ja schon beim Schreiben dieses Wortes die Mundwinkel runter.

Nee, so haben wir nicht gewettet. Wer schön sein will, muss also auch noch beim Essen leiden. Wo bleibt da meine Lebensfreude? Da behalt ich doch lieber eine Haut, die an der einen oder anderen Stelle nicht mehr so ganz glatt ist. Meine 100 Kilo tun das ihrige, um die Faltenbildung zu minimieren.