Blog: Schlank war gestern - 100 Kilo Lebensfreude!

7. Dez, 2016

Der Altmeister trifft es immer noch: Jürgen von der Lippe hat nichts von seiner Witzigkeit verloren. Ein Auszug aus dem Buch "Willkommen im besten Alter", erschienen im Coppenrath Verlag. Dieser Absatz passt wunderbar zu "Schlank war gestern".

28. Nov, 2016

An einige exotische Sportarten haben wir uns bei den Olympischen Spielen ja schon gewöhnt: zum Beispiel Softball oder Rugby Seven. Diese Liste der sportlichen Kuriositäten könnte demnächst sogar noch erweitertet werden. Und zwar um die Disziplin: Rotwein-Trinken.

Erstmals haben es Wissenschaftlicher nicht bei einer allgemeinen Formulierung wie „Rotwein in Maßen ist gut für Herz und Kreislauf“ belassen, sondern sich ganz konkret festgelegt: Ein Glas Rotwein ist mit einer Stunde Strampeln und Stemmen in der Muckibude gleichzusetzen. 

Zu verdanken haben wir diese Erkenntnis einem sympathischen Forscherteam der Universität in Alberta, was im fernen Kanada liegt. Für die heilige Wissenschaft hoffe ich mal, dass die Forscher nicht das eine oder andere Glas zu viel getrunken haben, bevor sie mit dieser kühnen Information an die Öffentlichkeit gingen.

Die Details ihrer Argumentation jedenfalls klingen durchaus seriös: Rotwein enthalte Resveratrol-Verbindungen. Und die wirken sich so wunderbar positiv aus. Sie optimieren ganz allgemein die körperliche Verfassung des Menschen, sie verbessern seine Herzfunktion, und sie stärken die Muskeln. Und deshalb die kühne Behauptung, dass ein Schluck aus der Pulle die körperliche Leistungsfähigkeit steigere.

Als Leistungssport eignet sich die neue Disziplin aber leider nicht. In diesem Fall leidet die körperliche Ertüchtigung, je mehr man trainiert. Die Olympia-Kämpfer müssen also weiter schnaufen und schwitzen, um Medaillen zu erobern. Aber wir Freizeitsportler können uns durchaus mit dem Gedanken anfreunden, Anhänger dieser neuen Fitness-Bewegung zu werden.

Ich bin dann mal weg – zum Training. In der Weinstube.

17. Nov, 2016

Männer mit einem kleinen Bauch sind für Frauen besonders attraktiv. Das jedenfalls behauptet Richard Bribiescas. Und der muss es wissen, schließlich ist er Professor für Anthropologie an der Elite-University Yale in den USA. 

Bevor Sie diesen Text jetzt wegklicken, um bei Google nachzuschauen, was Anthropologie bedeutet, hier die Aufklärung: Das ist die Wissenschaft von der Menschheit und ihrer Entwicklung. Also ganz was Seriöses, jedenfalls nichts Unanständiges. 

Deshalb habe ich auch nicht den geringsten Zweifel, dass der Herr Professor Recht hat: Männer mit Format kommen bei Frauen besonders gut an – vor allem, wenn sie eine Spur älter sind und Kinder haben. Meine Ein-Personen-Selbsterfahrungsgruppe Düsseldorf-Oberkassel kann das nur bestätigen: Setzen Sie sich mal als halbwegs rüstiger Großvater mit zwei süßen Enkelsöhne in eines der Szenelokale. Die Aufmerksamkeit der Damenwelt ist Ihnen sicher. 

Was ich bisher auf meine Persönlichkeit und den Nettigkeitsfaktor meiner Nachfahren zurückführte, erklärt mir Richard Bribiescas jetzt wissenschaftlich – und zwar mit der Evolution. Kinder signalisieren für Frauen eine erhöhte Männlichkeit, die unsere komplette Menschheitsgeschichte hindurch das wichtigste biologische Merkmal bei der Partnerwahl war. Schließlich ging es dem Homo Sapiens stets um die Fortpflanzung.

Und wie alle amerikanischen Wissenschaftler ist auch der Professor aus Yale in der Lage, dieses Phänomen populär und allgemein verständlich auszudrücken: Frauen stehen vielleicht auf durchtrainierte Körper, feste Bindungen wollen sie jedoch mit anderen. Sorry, ihr Typen mit Waschbrettbauch!

So ganz nebenbei erfahre ich dann auch noch, dass eine Wampe sogar noch gesünder sei als ein durchtrainierter Körper. Denn: Väter mit Bauch haben ein geringeres Herzinfarkt- oder Prostatakrebs-Risiko. Dazu Bribiescas: „Das Macho-Ideal macht krank. Das Hollywood-Bild des schneidigen, unzerstörbaren Kerls entspricht nicht der Wirklichkeit.“ 

Selten wurde in den letzten Jahren mein Selbstbewusstsein so gestärkt. Beim nächsten Besuch meiner Enkelkinder gehen wir sofort wieder auf Tour: Bauch raus, Mädels aufreißen!

25. Okt, 2016

Es gibt Schlagzeilen, die sind mir einfach sympathisch. „Iss Dich schön!“ ist so eine. Die Vorstellung, das zu tun, was mir ohnehin Spaß macht (lecker essen) und trotzdem gut auszusehen, gefällt mir sehr. Wann sonst kann man auf so angenehme Art und Weise einen solchen Effekt erzielen?

Nun gut, ich hätte es bei der Schlagzeile belassen und mir den Text ersparen sollen. Dann wäre mir die Illusion geblieben, dass beides irgendwie zusammengehört – essen und Schönsein.

Die Ernüchterung kam auch in diesem Fall im Kleingedruckten. Jedenfalls für mich, der ich ein Gerne-Esser, aber auf keinen Fall ein Alles-Esser bin. Im Laufe der Jahre hat man auch in diesem Lebensbereich so seine Eigenarten entwickelt – und gepflegt.

Punkt für Punkt wird da aufgelistet, was bei der Verschönerung – vor allem der Haut – helfen soll. Das erklärt die Autorin des gesundheitsmedizinisch einwandfreien Textes ihren Lesern. Und ich bin plötzlich gar nicht mehr hungrig.

Schönmacher Nummer Eins soll Avocado sein, die grüne Frucht mit jeder Menge ungesättigter Fettsäuren. Jetzt werden einige sagen, ich stelle mich an, oder ich sei schrullig. Aber wenn ich etwas absolut nicht mag, dann sind es Avocados. Allein die glitschig-breiige Konsistenz dieser Frucht bereitet mir körperliches Unbehagen.

Es folgt der Grünkohl. Mit einer fetten Mettwurst oder einem saftigen Kassler kombiniert, kann ich mir das schon vorstellen. Aber so ist es wohl nicht gemeint. Grünkohl heißt jetzt Kale und wird als „chices Wintergemüse“ bezeichnet. Hier sind ja wohl die reichlich vorhandenen  Karotinoiden wichtiger als meine Wurst- oder Fleischbeilage.

Weiter wird der griechische Joghurt empfohlen. Nichts gegen unsere liebgewonnenen Miteuropäer, aber der hohe Anteil von Proteinen und probiotischen Kulturen macht mich skeptisch.

Hülsenfrüchte sollen es gleichfalls bringen – Linsen haben zum Beispiel einen sehr niedrigen glykämischen Index (was immer das auch sein mag). Die Folge: weniger Mitesser und Unreinheiten der Haut. Zu anderen, weit bekannteren Nebenwirkungen fragen Sie bitte ihre Mitbewohner.

Last but not least soll mich die Bitterschokolade schöner machen. Schokolade wäre ja in Ordnung, aber Bitterschokolade? Das zieht’s mir ja schon beim Schreiben dieses Wortes die Mundwinkel runter.

Nee, so haben wir nicht gewettet. Wer schön sein will, muss also auch noch beim Essen leiden. Wo bleibt da meine Lebensfreude? Da behalt ich doch lieber eine Haut, die an der einen oder anderen Stelle nicht mehr so ganz glatt ist. Meine 100 Kilo tun das ihrige, um die Faltenbildung zu minimieren.

 

 

 

3. Okt, 2016

Okay – in meinem persönlichen Umfeld gibt es Stimmen, meist weiblich, die der Meinung sind, dass 100 Kilo schon genug sind. Einspruch, bei dieser Zahl war meine Lebensfreude bislang noch nicht reduziert. Alles passte, von dem einen oder anderen Jackett mal abgesehen. 

Doch dann kamen zehn Tage im Allgäu, zehn Tage auf der Nordsee-Insel Juist und eine missverstandene Bratwurst-Diät – und, hoppla, plötzlich waren es 105 Kilo. Die Korrektheit der Waage in Zweifel zu ziehen, brachte nichts – die körperlich spürbaren Symptome war zu deutlich. Schnaufen beim Treppensteigen, Kurzatmigkeit beim flotten Spaziergang, Probleme beim Aufstehen vom viel zu gemütlichen Sofa sprachen für sich: 105 Kilo sind eindeutig zu viel. 

Doch wie findet man zurück zur genossenen 100-Kilo-Lebensfreude?

Ich muss abnehmen. Mindestens fünf Kilo. Doch eine Diät machen, wo ich doch allen Diäten abgeschworen habe. Nein, ich versuche es nicht mit weniger, sondern mit mehr – mit mehr Sport. Da kam mir eine für mich neue App gerade recht aufs Display: Abspecken durch Laufen. Und das Ganze noch mit Musik im Ohr.

Das Programm ist vielseitig. Es gibt ein Angebot für Walker, eines für Menschen, die mit dem Laufen beginnen (als Erwachsene natürlich), eines, das fünf Kilometer zum Ziel hat, und eines, das helfen soll, zehn Kilometer locker zu bewältigen. Nun, nach einer mehrmonatigen (oder waren es mehrere Jahre?) schöpferischen Laufpause, habe ich mich für das Programm „Laufen für Beginner“ entschieden.

Als Lauflernschuhe benutzte ich meine alten Jogging-Schuhe. Die Begleitmusik darf ich selbst bestimmen. Rockmusik soll beim Laufen besonders motivierend sein. Den weiteren Ablauf flüstert eine sympathische Männerstimme ins Ohr. Eine Minute Laufen, zwei Minuten Gehen, eine Minute und 30 Sekunden Laufen, eine Minute Gehen ... Nach 35 Minuten gratuliert die Stimme zum erfolgreichen Abschluss der Übung. Ich füge mich – und genieße still meinen Erfolg. 

Was die beste Ehefrauen aller Ehefrauen dazu sagt, weiß ich schon: Und dazu braucht man eine App, kann der Mensch nicht einfach von selbst laufen? 

Natürlich hat sie Recht. Aber Männer haben nun mal eine Vorliebe für Zwangsstrukturen. Wir haben es gerne, wenn man uns sagt, was wir zu machen haben. Sollte sie eigentlich wissen ... 

Ob sich nach dem Erfolgserlebnis, die erste Einheit überlebt zu haben, weitere anschließen, muss man erst noch einmal abwarten. Nach 35 Minuten wurde einem nicht nur der Abschluss der Übung mitgeteilt, auch die Zahl der verbrauchten Kalorien: 435 waren es diesmal. Ziemlich viel. Ungefähr anderthalb Bratwürste könnte ich damit ausgleichen. Verschwinde, du fiese Versuchung!

Zum Foto: Damals bin ich noch ohne App aus- und angekommen - Berlin-Marathon 2006. Lang, lang ist es her!