Prima Idee! Diese Kolumne erscheint regelmäßig bei www.report-d.de. Hier die aktuellsten Beiträge.

7. Dez, 2016

Nee, Freunde! Nah dran ist immer noch knapp vorbei. Und das wollen wir doch nicht. Oder?

Ach, Sie wissen nicht, wovon ich rede?

Der Auftritt der Landeshauptstadt soll neu positioniert werden, so die damit beauftragte städtische Gesellschaft „Düsseldorf Marketing“. Das Großkotzige abgewählter Oberbürgermeister soll durch eine neue Bescheidenheit abgelöst werden. Der Name der Stadt wird jetzt klein geschrieben „düsseldorf“. Ganz originell. Die marktbeherrschende Rheinische Post hält sich in der Bewertung noch zurück, kann sich aber nicht verkneifen, den Artikel über das neue Konzept mit „’düsseldorf’ macht sich klein“ zu überschreiben. Düsseldorf als Stadt ohne Selbstbewusstsein zu präsentieren, das geht nun mal gar nicht.

Die Städte Freiburg oder Münster werden uns von „Düsseldorf Marketing“ als modellhaft  präsentiert. Mit Verlaub, aus der Phase des Studentenlebens sind die meisten Düsseldorfer raus.

Und da die Macher der neuen Dachmarke gemerkt haben, dass ein kleingeschriebenes Düsseldorf zu schwach ist, die Bürger der Stadt, aber auch Ihre Besucher und Geschäftspartner zu begeistern, bekommt Düsseldorf wechselnde Untertitel. Und die sollen immer etwas mit dem Begriff Nähe zu tun haben.

Zum Beispiel: näher an Zuhause. Okay, als Slogan für Japan Airlines, die Reklame für eine Direktverbindung Tokio/Düsseldorf machen, taugt das. Aber für unsere Freunde im Ruhrgebiet? Oder für Menschen, die in Bilk, Oberbilk und Unterbilk wohnen?

Noch ein Versuch: ganz nah am Familienleben. Für die rund 400 000 Pendler, die täglich in unsere Stadt kommen und am Abend wieder über verstopfte Autobahnen und in überfüllten, unpünktlichen Zügen nach Hause fahren, klingt das wie Hohn. Und die ausländischen Manager, die temporär in Düsseldorf arbeiten, um gutes Geld zu verdienen, werden auch nicht gerade durch diesen Slogan froh gestimmt.

Ach ja, das will ich nicht unterschlagen: Der Begriff Freiheit soll auch noch mit Düsseldorf in Verbindung gebracht werden. Ich sage es mal ganz direkt: Der Stadtrat hat die Freiheit, diese unsinnigen Vorschläge, die aber auch gar nichts mit unserem Düsseldorf zu tun haben, abzulehnen.

Und das wäre eine wirklich prima Idee!

28. Nov, 2016

Die Stadt Düsseldorf will wissen, wie ihre Bürgerinnen und Bürger über sie denken. Jährlich organisiert sie eine Bürgerbefragung, die Aufschluss darüber geben soll, wie sich die Menschen in ihrer Stadt fühlen, was ihnen ge- oder missfällt. Das ist eine prima Idee, denn aufgrund der Ergebnisse kann man ablesen, ob Verwaltung und Politik die richtigen Akzente setzen. 

Grundsätzlich gilt, dass die Düsseldorfer in ihrer Stadt gerne leben. 89 Prozent Zustimmung sind ein sehr gutes Ergebnis. Nur drei Prozent zieht es ins Umland. Das waren in früheren Zeiten deutlich mehr.

Im Detail zeigt sich, dass unsere Kommunalbeamten und –politiker in den letzten Monaten an der einen oder anderen richtigen Stellschraube gedreht haben. So sind mittlerweile weniger Düsseldorfer der Meinung, dass es zu wenig Radwege gibt oder die Schulen in einem schlechten Zustand sind. Die Investitionen und Aktivitäten in diesen Bereichen machen sich da bemerkbar. 

Es gibt allerdings auch Probleme, die größer geworden sind. Mehr Menschen als noch 2015 finden, dass die Mieten zu hoch sind. Mehr als zuvor fürchten Kriminalität auf den Straßen. Das sind Warnzeichen, auf die eine Stadtführung reagieren muss.

Besorgniserregend ist auch das Ergebnis, dass 59 Prozent der Düsseldorfer sich über politische Entscheidungen der Stadt nicht ausreichend informiert fühlen. Das ist ein klarer Arbeitsauftrag an die Spitze von Stadtrat und Verwaltung. 

Wer die täglichen Verlautbarungen des städtischen Amtes für Kommunikation liest, wundert sich über dieses Abschneiden allerdings überhaupt nicht. Ein Großteil der Informationen sind Terminankündigungen, wann und wo Oberbürgermeister Thomas Geisel auftaucht, spricht oder ein Rad schlägt. OB Erwin hat damit angefangen, die inhaltliche Arbeit dieses Amtes zu reduzieren und den Schwerpunkt mehr auf die persönliche Vermarktung des Stadtoberhauptes zu legen. OB Elbers hat es fortgesetzt und OB Geisel hat es perfektioniert. Das Umfrage-Ergebnis zeigt, dass der Bürger etwas anderes erwartet. 

Außerdem wird deutlich, dass sich die Düsseldorfer Medienlandschaft in den letzten Jahren dramatisch verändert hat. Zur Rheinischen Post gibt es kein Korrektiv mehr, seit WZ und NRZ wirtschaftlich und/oder inhaltlich vom lokalen Markführer abhängig sind. Und die Rheinische Post informiert zwar in Teilbereichen kenntnisreich und engagiert, aber keinesfalls mehr umfassend. Weniger Geisel-Bashing, dafür mehr Platz für kommunalpolitische Informationen wäre vielleicht besser. Insgesamt eine bedenkliche Entwicklung, die – wie man sieht – durchaus schon Auswirkungen auf unser demokratisches Gefüge hat.

28. Nov, 2016

Das Handwerk hat zwar meistens immer noch goldenen Boden, die Anerkennung der mit diesem Berufsstand verbundenen Qualifizierung bleibt jedoch häufig aus. So beklagt die Wissenschaftsbeamte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) immer wieder, dass Deutschland eine zu geringe Akademikerquote habe. Und damit wird, so Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, impliziert, dass es sich um einen sozialen Abstieg handele, wenn ein Kind von Akademikern „nur“ eine berufliche Ausbildung durchläuft. Ehlert widerspricht dem energisch. Ebenso wie Johanna Wanka, Professorin und Frau Dr. sowie Bundesministerin für Bildung und Forschung. Für sie ist ein Design-Studium nicht grundsätzlich mehr wert als eine Ausbildung zum Goldschmied. Die Gleichrangigkeit einer akademischen und einer handwerklichen Ausbildung ist ihr halt besonders wichtig.

Die Handwerkskammer Düsseldorf hörte diese Worte gerne – und zeichnete deshalb die CDU-Politikerin mit dem Georg Schulhoff-Preis aus. Das war eine prima Idee, denn der Namensgeber für diesen Preis, der 2016 zum 20. Mal vergeben wurde, hätte seine Freude an der tatkräftigen und aufmüpfigen Ministerin gehabt. Als ihr die Kritik am angeblichen Akademikermangel zu nervig wurde, ging sie einfach nicht mehr zur jährlichen Pressekonferenz der OECD in Deutschland: „Das muss ich mir nicht Jahr für Jahr anhören.“

Stattdessen fühlte sich Johanna Wanka angespornt, das Handwerk mehr denn je zu stützen. So ist es vor allem ihrer Initiative zu verdanken, dass das sogenannte Meister-Bafög, das in den letzten 20 Jahren rund 1,9 Millionen Frauen und Männer zu Führungskräften, zu Unternehmern und zu Ausbildern von Fachkräften machte, in diesem Jahr novelliert wurde – und damit die Rahmenbedingungen für den handwerklichen Nachwuchs noch einmal deutlich verbessert wurden. Andreas Ehlert war deshalb auch voll des Lobes: „Das ist ein wichtiges Zeichen der Anerkennung, ein Zeichen der Wertschätzung unseres hochqualifizierten und notwendigen Fachkräftenachwuchses im Handwerk.“

9. Nov, 2016

Düsseldorf und seine Japaner – das ist eine ganz besondere Beziehung. Der jährliche Japan-Tag am Rheinufer, das großartige japanische Feuerwerk an der Kniebrücke sowie Dutzende von japanischen Restaurants belegen das. Mit rund 10.000 Japanern, die in Düsseldorf und der näheren Umgebung leben, gibt es in der NRW-Landeshauptstadt die größte japanische Gemeinschaft in Europa. Mit über 500 japanischen Firmen sind sie zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Obwohl es Ausländer-Gruppen in Düsseldorf gibt, die viel größer sind (die Japaner liegen erst auf Platz acht), prägen sie das gesellschaftliche Leben der Stadt wie keine andere. Das macht auch nicht vor dem Sport halt. Seit 2008 gibt Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf seine Vereinsschrift „Fortuna Aktuell“ auch in einer japanischen Version heraus. Auch eine Fortuna-Website gibt es in japanischer Sprache.

Das ist eine prima Idee. Sport ist eben doch völkerverbindend. 

In letzter Zeit sieht man auch immer wieder japanische Familien in der Fortuna-Arena – zünftig im Rot des Fortuna-Trikots. Die neue Begeisterung hängt sicher auch damit zusammen, dass mit Justin Toshiki Kinjo aktuell ein japanisches Talent im Kader der Profis mittrainiert. Leider hat ihn eine Verletzung während der Saison-Vorbereitung etwas zurückgeworfen. Mittlerweile ist er aber wieder gesund und hatte schon seine ersten kurzen Einsätze. Man wird noch von ihm hören und lesen.

 

 

4. Okt, 2016

Düsseldorfs Königsallee hat eine neue Attraktion – das Zelt des Schauspielhauses. Täglich kommen Hunderte von theaterinteressierten Menschen auf den Corneliusplatz – und sorgen für Leben, urbanes Leben. Sicher, der Vorplatz des Zeltes erinnert immer noch sehr stark an eine Baustelle, doch das macht nichts. Hauptsache, es kommen Menschen, die vor, nach und in der Pause der Vorstellung dort essen, trinken, plaudern und auf dem Hin- und Rückweg die Kö beleben. Das Theaterzelt zeigt, dass man hier – quasi im Herzen der Stadt – eine Einrichtung braucht, die Menschen anzieht. 

Es wäre eine prima Idee, wenn das Provisorium zur Dauereinrichtung gemacht würde – für die Stadt, aber auch für das Schauspielhaus. Vor allem aber für die Königsallee, die in den letzten Jahren doch sehr gelitten hat.

Die Königsallee war einmal ein Juwel. Ein Schmuckstück, an dem sich Einheimische und Auswärtigen gleichermaßen erfreuten. Die Königsallee war einmal eine Flaniermeile. Tagsüber, aber auch in den Abendstunden erfreuten sich die Menschen an dem bunten Mix der Geschäfte, an den interessanten Angeboten von Kino, Bars und Restaurants. Die Königsallee war einmal eine lebhafte Straße. Sie gehörte den Menschen – die Ferraris und Maseratis aus Gelsenkirchen oder Grevenbroich waren nur Beiwerk. Sie störten nicht weiter. 

Ein derartiges Schmuckstück sollte man pflegen. Doch Düsseldorf, Immobilien-Eigentümer, die Geschäftswelt insgesamt und die Verantwortlichen der Stadt tun das nicht. 

Der Geschäfte-Mix ist längst umgekippt, weil die Immobilien-Eigentümer in ihrer Raffgier so horrende Mieten fordern, dass traditionsreiche Familienbetriebe allesamt aufgeben müssen. Was stattdessen kommt, ist keine Bereicherung: die üblichen Kettengeschäfte und internationale Edelmarken, die man genauso in London, Paris oder München findet. 

Doch was noch viel schlimmer ist: Nach Geschäftsschluss werden an der Kö die Bürgersteige hochgeklappt. Es fehlen attraktive Bars und Restaurants – und vor allem: Es fehlt das Kult-Kino Lichtburg, das die Menschen in Scharen auf die Kö lockte. Lieblos betriebene Terassen-Cafés sind da kein Ersatz, schon gar nicht an kälteren Tagen. Geblieben sind die Ferraris und Maseratis, mittlerweile als Hauptattraktion.

Durch das Theaterzelt könnte alles wieder anders werden – zumindest belebter. Beim Riesenrad am Burgplatz hat sich die Stadt ja schon einmal einen Ruck gegeben. Warum nicht noch einmal?