18. Jul, 2016

Das Büdchen bekommt einen Ehrentag

Was hat ein Rheinländer, der aus beruflichen Gründen nach Süddeutschland gehen musste, in seinem idyllischen Exil wohl am meisten vermisst? Sicher nicht die schlechte Luft der rheinischen Großstadt. Es waren die alten Freunde, die leichtere Lebensart und – das Büdchen. Natürlich gibt es auch zwischen Bodensee und Donau genug Geschäfte, die Zeitungen, Zigaretten, Bier oder Wein, Kaffee und Gummibärchen verkaufen. Doch das alles ist nicht mit einem rheinischen Büdchen zu vergleichen.

Erstens ist diese kulturelle Institution gleich an der nächsten Ecke. Selbst im schicken Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel gibt es auf der Dominikaner Straße direkt neben dem Szene-Treffs Muggel oder Saitta ein Büdchen, das immer – konkret von 11 bis 22 Uhr -  bereit ist, bei der Grundversorgung zu helfen: Das Angebot reicht von der Sonntagszeitung bis zum Liter Milch. Und wenn der Prosecco zu Hause warm geworden ist, können Michael Salakis, Düsseldorfer griechischer Abstammung, und sein Team sofort helfen: Von den gängigen Getränken – in Düsseldorf gehört der Prosecco ebenso dazu wie die Biere aller Privatbrauereien – wird stets ein Vorrat kühl gehalten. 

Zweitens ist ein Büdchen viel mehr als nur ein Verkaufsladen. Auch das Domi in Oberkassel ist gleichzeitig auch eine Kommunikationseinrichtung. Hier tauscht man sich aus, hier erfährt man das Neueste aus der Nachbarschaft, hier fühlt man sich zugehörig. 

Der Düsseldorfer DJ Christian Düchtel hat jetzt zusammen mit seinen Künstlerfreunden einen Büdchen-Tag ausgerufen. Stadtweit soll dieser Ehrentag am 20. August gefeiert werden – mit kleinen Partys und diversen Aktionen.

Das ist eine prima Idee.

Und eine Auszeichnung für die über 600 Büdchen und ihre Betreiber, die es in Düsseldorf gibt. Sie haben es längst verdient, dass ihr segensreiches Wirken gewürdigt und gefeiert wird.

 Bild: Ohne Büdchen geht es in Düsseldorf nicht - auch nicht beim Open Source Festival.