4. Okt, 2016

Das Theaterzelt belebt die Kö

Düsseldorfs Königsallee hat eine neue Attraktion – das Zelt des Schauspielhauses. Täglich kommen Hunderte von theaterinteressierten Menschen auf den Corneliusplatz – und sorgen für Leben, urbanes Leben. Sicher, der Vorplatz des Zeltes erinnert immer noch sehr stark an eine Baustelle, doch das macht nichts. Hauptsache, es kommen Menschen, die vor, nach und in der Pause der Vorstellung dort essen, trinken, plaudern und auf dem Hin- und Rückweg die Kö beleben. Das Theaterzelt zeigt, dass man hier – quasi im Herzen der Stadt – eine Einrichtung braucht, die Menschen anzieht. 

Es wäre eine prima Idee, wenn das Provisorium zur Dauereinrichtung gemacht würde – für die Stadt, aber auch für das Schauspielhaus. Vor allem aber für die Königsallee, die in den letzten Jahren doch sehr gelitten hat.

Die Königsallee war einmal ein Juwel. Ein Schmuckstück, an dem sich Einheimische und Auswärtigen gleichermaßen erfreuten. Die Königsallee war einmal eine Flaniermeile. Tagsüber, aber auch in den Abendstunden erfreuten sich die Menschen an dem bunten Mix der Geschäfte, an den interessanten Angeboten von Kino, Bars und Restaurants. Die Königsallee war einmal eine lebhafte Straße. Sie gehörte den Menschen – die Ferraris und Maseratis aus Gelsenkirchen oder Grevenbroich waren nur Beiwerk. Sie störten nicht weiter. 

Ein derartiges Schmuckstück sollte man pflegen. Doch Düsseldorf, Immobilien-Eigentümer, die Geschäftswelt insgesamt und die Verantwortlichen der Stadt tun das nicht. 

Der Geschäfte-Mix ist längst umgekippt, weil die Immobilien-Eigentümer in ihrer Raffgier so horrende Mieten fordern, dass traditionsreiche Familienbetriebe allesamt aufgeben müssen. Was stattdessen kommt, ist keine Bereicherung: die üblichen Kettengeschäfte und internationale Edelmarken, die man genauso in London, Paris oder München findet. 

Doch was noch viel schlimmer ist: Nach Geschäftsschluss werden an der Kö die Bürgersteige hochgeklappt. Es fehlen attraktive Bars und Restaurants – und vor allem: Es fehlt das Kult-Kino Lichtburg, das die Menschen in Scharen auf die Kö lockte. Lieblos betriebene Terassen-Cafés sind da kein Ersatz, schon gar nicht an kälteren Tagen. Geblieben sind die Ferraris und Maseratis, mittlerweile als Hauptattraktion.

Durch das Theaterzelt könnte alles wieder anders werden – zumindest belebter. Beim Riesenrad am Burgplatz hat sich die Stadt ja schon einmal einen Ruck gegeben. Warum nicht noch einmal?