BigShoe

8. Nov, 2018

Alive hat von Geburt an verkrüppelte Hände. Nach mehreren Operationen wird sie sie wieder freier bewegen können.

8. Nov, 2018

Lesray, zwei Tage nach seiner Schädeloperation: Er lächelt schon wieder.

8. Nov, 2018

KAPSTADT - Alive ist zwei Jahre und sieben Monate alt. Sie hat von Geburt an deformierte Hände mit verkrümmten, zusammengewachsenen Fingern. Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit sind erheblich eingeschränkt. Ein Fall für Dr. Alexander Zühlke. Der deutsche Arzt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern wie Alive zu helfen – als Plastischer Chirurg, als Mensch. Im Tygerberg-Hospital operiert der in Düsseldorf geborene Medinziner die Kleine kostenlos – unterstützt von der südafrikanischen Smile-Foundation und der deutschen Spendenorganisation BigShoe.

Mit einer einzigen Operation ist es bei Alive nicht getan, der deutsche Arzt hat die Mutter des kleinen Mädchens in einem langen Gespräch und in seiner ruhigen und sachlichen Art darauf vorbereitet, dass es in diesem Fall vieler kleiner Eingriffe bedarf: „Wir müssen die miteinander verwachsenen Finger trennen, wollen aber auf keinen Fall riskieren, einen dieser Finger zu verlieren.“ Deshalb geht es nur Schnitt für Schnitt – mit jeweils längeren Heilungspausen.

Alexander Zühlke engagiert sich so, weil er sich den Menschen in Südafrika besonders verbunden fühlt. Letztlich hat ihn die Liebe nach Kapstadt gebracht – seine Frau ist Südafrikanerin. Seine deutschen Stationen – geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in Wuppertal, erste Arztstelle im Gelsenkirchener Krankenhaus „Bergmannsheil“ – sind ihm wichtig, aber in Südafrika ist er mittlerweile zuhause. Er liebt dieses Land trotz aller Probleme, die häufig mit extremen sozialen Schieflagen zu tun haben.

So gab es für ihn auch kein Zögern, als die Smile-Foundation ihn ansprach, ob er die Ärmsten der Armen ohne Honorar operieren würde. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Dr. Frank Graewe, beide waren zusammen Assistenzärzte, arbeitet er immer wieder ehrenamtlich – gerade in den Townships vor den Toren Kapstadts ist da ein großer Bedarf. Im Juni zum Beispiel wurden im Tygerberg-Hospital innerhalb einer Woche elf Operationen an Kindern durchgeführt. Operationen, die von den Eltern nicht hätten bezahlt werden können. Die verbliebenen Kosten übernahm die deutsche Spendenorganisation BigShoe.

Alexander Zühlke freut sich immer wieder über seine Mission im Tygerberg-Hospital: „Es ist ein wunderbares Gefühl, nach den Operationen die strahlenden Gesichter der Kinder und die der Mütter zu sehen. Das ist eine Belohnung für uns alle.“

An sogenannten Smile-Tagen können sich die kleinen Patienten im Tygerberg-Hospital vorstellen. Alexander Zühlke und sein Team entscheiden dann, welche Kinder überhaupt und wann operiert werden.

Schon seit längerem steht der sechsjährige Lesray auf dieser Liste. Er hat ein Loch in der Schädeldecke, das nur von der Kopfhaut bedeckt ist. Für Lesray ist das eine lebensgefährliche Situation, ein Sturz oder ein Stoß könnten dramatische Folgen haben. An unbefangenes Spielen ist da nicht zu denken. Der 55-jährige Frank Graewe, der aus Diez an der Lahn stammt und mittlerweile für Privatkliniken in Kapstadt und München arbeitet, hat diesen Fall übernommen. Er ist der Spezialist für besondere chirurgische Herausforderungen. Im Jahr 2014 ist er weltweit bekannt geworden, weil er als erster Chirurg erfolgreich einen Penis transplantiert hat. Übrigens auch in Zusammenarbeit mit Alexander Zühlke. Ein gutes Team – für Spektakuläres, aber auch für Karitatives.

Um das Loch in der Schädeldecke von Lesray zu schließen, wird vorher ein anderer Teil der Schädeldecke herausgesägt, gesplittet und dann wieder eingesetzt. Vor allem das Splitten der zerbrechlichen Schädeldecke ist im doppelten Sinn Knochenarbeit. Nach Stunden ist es vollbracht: Die Schädeldecke ist geschlossen, die Kopfhaut wieder vernäht. Am nächsten Tag hat Lesray zwar noch leichte Schwellungen, er kann aber schon wieder lächeln und spielt munter mit dem Handy seiner Mutter. Alexander Zühlke ist sehr zuversichtlich: „Lesray kann schon sehr bald ein ganz normales, unbeschwertes Leben führen“.

INFO:

In Südafrika gibt es eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Smile-Foundation, die Ärzte und Krankenhäuser stellt, und der Allgäuer Spendenorganisation BigShoe, die das Geld für die Operationskosten besorgt, die neben der (kostenlosen) ärztlichen Leistung anfallen. BigShoe war im Jahr 2010 anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft erstmals in Südafrika aktiv. Die Organisation nutzt die Fußballbegeisterung vieler Menschen, um im Umfeld sportlicher Großereignisse Geld zu sammeln. Auch bei Sportlern selbst – zum Bespiel gehören Mesut Özil und Antonio Rüdiger zu den BigShoe-Botschaftern, die regelmäßig Kosten für mehrere Operationen übernehmen.

 

 

16. Aug, 2016

IFUNDA/TANSANIA - „Ich weiß gar nicht, wie wir das schaffen sollen“, seufzt Monika Blaser mit Blick auf die lange Patienten-Schlange vor dem Hospital in Infunda, einem kleinen Ort im Süden Tansania. Doch das Unmögliche spornt sie nur an. Nach 14 Tagen wird die engagierte Frau, deren Hauptwohnsitz in Bald Waldsee ist, stolz Bilanz ziehen: Wieder wurden rund 100 Kinder mit schwersten Verbrennungen und Fehlstellungen operiert, und auch vielen Erwachsenen wurde geholfen.

Vor 18 Jahren kam die unermüdliche Monika mit ihrem Mann Horst, der bis 2007 Leiter der Kurverwaltung in Bad Schussenried war, zum ersten Mal nach Ifunda. In der ihm eigenen klaren Ausdrucksweise beschreibt Horst Blaser die damalige Situation: „Das war der reinste Busch.“ Die Kombination aus Herzlichkeit und Bedürftigkeit der Einheimischen faszinierte die Blasers. In den ersten Jahren versorgten sie die notleidenden Menschen vor allem mit Verbandsmaterial, Wäsche und Kleidung. Heute steht in Ifunda ein für afrikanische Verhältnisse gut ausgestattetes Hospital mit zwei Operationssälen. Und nicht nur das: Rund um das Hospital gibt es heute Ausbildungswerkstätten, Schulen und eine Missionsstation – alles mit Hilfe der Blasers geschaffen.

Was treibt Monika Blaser an, so zu handeln? Ihre Antwort: „Ich bin überzeugt, dass wir ein Stück von dem zurückgeben müssen, was wir haben. Deutschland ist ein reiches Land, und unsere Krankenhäuser sind bestens ausgestattet. Es sollte Pflicht für jeden Mediziner sein, ein Lebensjahr in einem solchem Land zu verbringen, um sein Wissen weiterzugeben.“ Und ganz persönlich fügt sie mit Tränen in den Augen noch hinzu: „Ifunda ist ein Stück Heimat, das gehört einfach zu meinem Mann und mir!“

Zweimal im Jahr werden die Blasers von Ärzten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich unterstützt. In diesem Jahr waren erstmals sogar zwei Operationscrews gleichzeitig vor Ort. Die Chefärztin und Chirurgin Dr. Annemarie Schraml von den Cnopf’schen Kinderklinik bei Nürnberg ist eine Expertin für die Korrektur dramatischer Bein-Fehlstellungen. Dr. Stefan Riml, ein Plastischer Chirurg mit Privatordonanz im Hochrum (Tirol), behandelt mit seinem Team die Spätfolgen von Verbrennungen. Ziel ist es letztlich, die einheimischen Ärzte und Krankenschwester so weit zu bringen, dass sie vieles selbständig erledigen können und die deutschen Ärzte nur noch zur Unterstützung und Weiterentwicklung brauchen.

Finanziert werden die aktuellen Operationen von der Allgäuer Hilfsorganisation BigShoe, die während des deutschen WM-Sommermärchens 2006 entstanden ist und nunmehr seit zehn Jahren immer im Umfeld großer Fußballereignisse Spendengelder sammelt, um Kinder operieren zu lassen, deren Familien sich diese Eingriffe sonst nicht leisten könnten. Prominenteste Unterstützer der Operationen in Tansania, sind der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und der französische Superstar Paul Pogba. Beide übernahmen die Patenschaften für jeweils elf Operationen.

Zum Team Özil gehört die vierjährige Sarah. Vor über einem Jahr ist sie zu Hause verunglückt: Sie stürzte in die Feuerstelle. Die Verbrennungen sind miserabel verheilt. Oberkörper, Hals, das rechte Ärmchen und die Hand blieben steif und verkrampft. Bei ihrer Ankunft versteckt sich Sara, ihre schmerzenden Verletzungen hat sie unter einer roten Jacke verborgen. Die Mutter möchte nicht, dass jemand sieht, was mit Sara geschah. Dr. Stefan Riml wird dem Kind die Narben nicht nehmen können, allerdings kann er dafür sorgen, dass sich Sara wieder freier bewegen kann. Der Eingriff dauert über vier Stunden – Millimeter für Millimeter wird die Haut gelöst, neu platziert, gesunde Bereiche transplantiert. Ein Vorgang, der nichts für schwache Nerven ist. Monika Blaser war mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Alles sehr gut gelaufen. Sarah wird sogar ihre Finger wieder bewegen können.“

Schwere Verbrennungen bei Kindern kommen in Tansania häufig vor. Viele Familien kochen in ihren Hütten mit offenem Feuer. Kinder, die beim Krabbeln oder Spielen zu nahe an die Flammen kommen, ziehen sich oft schreckliche Brandwunden zu. Aus diesem Grund bemüht sich die Feuerkinder-Initiative der Blasers um das regionale Handwerk. Die Einheimischen wurden angeleitet, einfache, preisgünstige und vor allem sichere Öfen herzustellen. Dazu Horst Blaser: „Allein dadurch konnten in den letzten Jahren die Verbrennungen und Verbrühungen schon erheblich reduziert werden.“

Auch aus dem Team Pogba gibt es Erfolgsmeldungen. Die Beine der dreijährigen Shania waren so extrem verkrümmt, dass ein Medizinball hindurchpasste. Dr. Annemarie Schraml, die Kinderchirurgin aus Nürnberg, hat derartige O-Beine bis jetzt erst selten gesehen. Shania ist ein fröhliches Kind, sie lacht viel und spielt in einem langen Rock, der die krummen Waden verdeckt. Aber ohne Eingriffe hätte sie schon bald keine längeren Strecken mehr laufen können, und auch die Kniegelenke wären mit 20 Jahren völlig verschlissen. Nach der Operation ist die erfahrene Ärztin optimistisch: „Die Beine wurden gerichtet. Shania wird in wenigen Wochen normal laufen können.“

Annemarie Schraml, die seit dem Jahr 2000 in Tansania (meist im Nkoaranga-Krankenhaus im Norden des Landes) aktiv ist, betont die Notwendigkeit solcher Eingriffe: „Um den Kreislauf der Armut durchbrechen zu können, sind die Menschen in diesem armen Land auf die Funktionsfähigkeit ihrer Beine angewiesen. Nur wenn jemand gehen kann, sind der Schulbesuch, eine Ausbildung und der Erwerb des Lebensunterhaltes möglich.“

Insgesamt werden im Sommer 2016 im Krankenhaus von Ifunda rund 100 Kinder für das Projekt BigShoe operiert. Dr. Igor Wetzel von der Hilfsorganisation weist darauf hin, dass sich auch in diesem Jahr wieder prominente Fußballer für Kinder in Not engagieren: „Wir freuen uns sehr, dass wir neben Mesut Özil, der schon seit zwei Jahren BigShoe-Pate ist, auch Paul Pogba für unser Projekt begeistern konnten, und wir hoffen auf weiteren Zuwachs, um die Operationen von möglichst vielen Kindern zu finanzieren“, sagt der aus dem Allgäu stammende Gründer von BigShoe. Auch Fußballfans haben die Möglichkeit, mit einer kleinen Spende zu helfen. Wetzel: „Wer sich engagieren möchte, kann bereits mit elf Euro Teil der BigShoe-Familie werden und Gutes tun. Zusammen mit den Fans können wir vielen hilfsbedürftigen Kindern operativ helfen."

BigShoe wurde vor der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gegründet. Seitdem konnten die Organisatoren dank großzügiger Spenden bereits mehr als 1200 hilfsbedürftige Kinder in sechs Ländern operieren lassen. 

27. Jul, 2016

Ronaldo Rossi aus Ansbach hilft Kindern in Tansania 

IFUNDA / ANSBACH – Seinen Spitznamen bei Kollegen und Patienten hat er schon lange: Ronaldo Rossi ist der Doktor, der in den Busch geht. Vor wenigen Tagen war es wieder einmal soweit: Der Anästhesist aus Ansbach, der hauptamtlich für die Copf’schen Anstalten in Nürnberg arbeitet, besuchte wieder einmal Afrika – diesmal half er, Kinder in Tansania zu operieren.

Ronaldo Rossi gehört zum Team der Chirurgin Dr. Annemarie Schraml, gleichfalls von den Cnopf’schen Anstalten. Sie ist spezialisiert auf Fehlstellungen und Missbildungen der Beine bei Kindern. Aufgrund mangelhafter Ernährung gibt es gerade in Tansania eine große Häufung von solchen Fällen. Der Doktor aus Ansbach ist seit 2010 dabei. Vorher hat er sich schon bei Interplast, einer Ärzte-Organisation, die sich gleichfalls in Entwicklungsländern aktiv ist, engagiert: „Ich mache das, weil ich meine Freizeit bestmöglich einsetzen will.“ 

An der Arbeit von Annemarie Schraml schätzt er besonders, dass sie Wert auf Nachhaltigkeit legt: „Ich halte nichts davon, wenn Ärzte einmal im Leben in Afrika aufschlagen, temporär sicher Gutes tun, dann aber wieder für immer verschwinden.“ Beim Team Schraml ist das nicht so. Seit dem Jahr 2000 kommt es meist zwei Mal im Jahr nach Tansania. In Zukunft vielleicht sogar noch öfter, denn Annemarie Schraml geht im nächsten Jahr in den Ruhestand. Und den will sie aktiv nutzen. 

Ronaldo Rossi beschränkt sich bei seinen Einsätzen nicht nur darauf, bei den Operationen für Schmerzfreiheit der Patienten zu sorgen, er kümmert sich auch intensiv um die Aus- und Weiterbildung einheimischer Anästhesie-Helfer: „Das muss unser Ziel sein. Wir brauchen möglichst viel Kompetenz bei den Helfern hier aus der Region.“

In diesem Jahr war der Einsatz sogar zweigeteilt, das Team war sowohl im Norden den Landes (Nkoaranga) als auch im Süden (Ifunda) aktiv. Schon schnell gab es erste Erfolgsmeldungen. 

Die Beine der dreijährigen Shania sind so stark verbogen, dass ein Medizinball durchpasst. Selbst Dr. Annemarie Schraml hat solche O-Beine bislang nur selten gesehen. Shania scheint davon kaum beeinträchtigt, sie lacht, spielt in einem langen Rock und freut sich wie ein ganz normales Kind. Annemarie Schraml weiß aber, was der Kleinen droht: „Sie wird schon bald keine längeren Strecken mehr laufen können, auch die Kniegelenke werden dann verschlissen sein.“ Bei der Operation in Ifunda werden die Knochen gedreht und gerichtet, damit sie gerade wieder zusammenwachsen können.  Ronaldo Rossi: „Shanias Beine bleiben jetzt sechs Wochen in einem Gipsverband, doch schon in wenigen Wochen wird sie wieder normal laufen können.“

„Um den Kreislauf der Armut durchbrechen zu können, sind die Menschen in diesem armen Land auf die Funktionsfähigkeit ihrer Beine angewiesen. Nur wenn jemand gehen kann, sind der Schulbesuch, eine Ausbildung und der Erwerb des Lebensunterhaltes möglich“, erklärt Rossi die Notwendigkeit dieses Eingriffes.

Finanziert werden die aktuellen Operationen in Ifunda von der Allgäuer Hilfsorganisation BigShoe, die währendes des Sommermärchens 2006 entstanden ist und nunmehr seit zehn Jahren im Umfeld großer Fußballereignisse Geld sammelt, um Kinder operieren zu lassen, deren Familien sich diese Eingriffe sonst nicht leisten könnten. Prominenteste Unterstützer der Operationen in Tansania, die während der Fußball-EM in Frankreich stattfinden, sind der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und der französische Superstar Paul Pogba.