BigShoe

16. Aug, 2016

IFUNDA/TANSANIA - „Ich weiß gar nicht, wie wir das schaffen sollen“, seufzt Monika Blaser mit Blick auf die lange Patienten-Schlange vor dem Hospital in Infunda, einem kleinen Ort im Süden Tansania. Doch das Unmögliche spornt sie nur an. Nach 14 Tagen wird die engagierte Frau, deren Hauptwohnsitz in Bald Waldsee ist, stolz Bilanz ziehen: Wieder wurden rund 100 Kinder mit schwersten Verbrennungen und Fehlstellungen operiert, und auch vielen Erwachsenen wurde geholfen.

Vor 18 Jahren kam die unermüdliche Monika mit ihrem Mann Horst, der bis 2007 Leiter der Kurverwaltung in Bad Schussenried war, zum ersten Mal nach Ifunda. In der ihm eigenen klaren Ausdrucksweise beschreibt Horst Blaser die damalige Situation: „Das war der reinste Busch.“ Die Kombination aus Herzlichkeit und Bedürftigkeit der Einheimischen faszinierte die Blasers. In den ersten Jahren versorgten sie die notleidenden Menschen vor allem mit Verbandsmaterial, Wäsche und Kleidung. Heute steht in Ifunda ein für afrikanische Verhältnisse gut ausgestattetes Hospital mit zwei Operationssälen. Und nicht nur das: Rund um das Hospital gibt es heute Ausbildungswerkstätten, Schulen und eine Missionsstation – alles mit Hilfe der Blasers geschaffen.

Was treibt Monika Blaser an, so zu handeln? Ihre Antwort: „Ich bin überzeugt, dass wir ein Stück von dem zurückgeben müssen, was wir haben. Deutschland ist ein reiches Land, und unsere Krankenhäuser sind bestens ausgestattet. Es sollte Pflicht für jeden Mediziner sein, ein Lebensjahr in einem solchem Land zu verbringen, um sein Wissen weiterzugeben.“ Und ganz persönlich fügt sie mit Tränen in den Augen noch hinzu: „Ifunda ist ein Stück Heimat, das gehört einfach zu meinem Mann und mir!“

Zweimal im Jahr werden die Blasers von Ärzten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich unterstützt. In diesem Jahr waren erstmals sogar zwei Operationscrews gleichzeitig vor Ort. Die Chefärztin und Chirurgin Dr. Annemarie Schraml von den Cnopf’schen Kinderklinik bei Nürnberg ist eine Expertin für die Korrektur dramatischer Bein-Fehlstellungen. Dr. Stefan Riml, ein Plastischer Chirurg mit Privatordonanz im Hochrum (Tirol), behandelt mit seinem Team die Spätfolgen von Verbrennungen. Ziel ist es letztlich, die einheimischen Ärzte und Krankenschwester so weit zu bringen, dass sie vieles selbständig erledigen können und die deutschen Ärzte nur noch zur Unterstützung und Weiterentwicklung brauchen.

Finanziert werden die aktuellen Operationen von der Allgäuer Hilfsorganisation BigShoe, die während des deutschen WM-Sommermärchens 2006 entstanden ist und nunmehr seit zehn Jahren immer im Umfeld großer Fußballereignisse Spendengelder sammelt, um Kinder operieren zu lassen, deren Familien sich diese Eingriffe sonst nicht leisten könnten. Prominenteste Unterstützer der Operationen in Tansania, sind der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und der französische Superstar Paul Pogba. Beide übernahmen die Patenschaften für jeweils elf Operationen.

Zum Team Özil gehört die vierjährige Sarah. Vor über einem Jahr ist sie zu Hause verunglückt: Sie stürzte in die Feuerstelle. Die Verbrennungen sind miserabel verheilt. Oberkörper, Hals, das rechte Ärmchen und die Hand blieben steif und verkrampft. Bei ihrer Ankunft versteckt sich Sara, ihre schmerzenden Verletzungen hat sie unter einer roten Jacke verborgen. Die Mutter möchte nicht, dass jemand sieht, was mit Sara geschah. Dr. Stefan Riml wird dem Kind die Narben nicht nehmen können, allerdings kann er dafür sorgen, dass sich Sara wieder freier bewegen kann. Der Eingriff dauert über vier Stunden – Millimeter für Millimeter wird die Haut gelöst, neu platziert, gesunde Bereiche transplantiert. Ein Vorgang, der nichts für schwache Nerven ist. Monika Blaser war mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Alles sehr gut gelaufen. Sarah wird sogar ihre Finger wieder bewegen können.“

Schwere Verbrennungen bei Kindern kommen in Tansania häufig vor. Viele Familien kochen in ihren Hütten mit offenem Feuer. Kinder, die beim Krabbeln oder Spielen zu nahe an die Flammen kommen, ziehen sich oft schreckliche Brandwunden zu. Aus diesem Grund bemüht sich die Feuerkinder-Initiative der Blasers um das regionale Handwerk. Die Einheimischen wurden angeleitet, einfache, preisgünstige und vor allem sichere Öfen herzustellen. Dazu Horst Blaser: „Allein dadurch konnten in den letzten Jahren die Verbrennungen und Verbrühungen schon erheblich reduziert werden.“

Auch aus dem Team Pogba gibt es Erfolgsmeldungen. Die Beine der dreijährigen Shania waren so extrem verkrümmt, dass ein Medizinball hindurchpasste. Dr. Annemarie Schraml, die Kinderchirurgin aus Nürnberg, hat derartige O-Beine bis jetzt erst selten gesehen. Shania ist ein fröhliches Kind, sie lacht viel und spielt in einem langen Rock, der die krummen Waden verdeckt. Aber ohne Eingriffe hätte sie schon bald keine längeren Strecken mehr laufen können, und auch die Kniegelenke wären mit 20 Jahren völlig verschlissen. Nach der Operation ist die erfahrene Ärztin optimistisch: „Die Beine wurden gerichtet. Shania wird in wenigen Wochen normal laufen können.“

Annemarie Schraml, die seit dem Jahr 2000 in Tansania (meist im Nkoaranga-Krankenhaus im Norden des Landes) aktiv ist, betont die Notwendigkeit solcher Eingriffe: „Um den Kreislauf der Armut durchbrechen zu können, sind die Menschen in diesem armen Land auf die Funktionsfähigkeit ihrer Beine angewiesen. Nur wenn jemand gehen kann, sind der Schulbesuch, eine Ausbildung und der Erwerb des Lebensunterhaltes möglich.“

Insgesamt werden im Sommer 2016 im Krankenhaus von Ifunda rund 100 Kinder für das Projekt BigShoe operiert. Dr. Igor Wetzel von der Hilfsorganisation weist darauf hin, dass sich auch in diesem Jahr wieder prominente Fußballer für Kinder in Not engagieren: „Wir freuen uns sehr, dass wir neben Mesut Özil, der schon seit zwei Jahren BigShoe-Pate ist, auch Paul Pogba für unser Projekt begeistern konnten, und wir hoffen auf weiteren Zuwachs, um die Operationen von möglichst vielen Kindern zu finanzieren“, sagt der aus dem Allgäu stammende Gründer von BigShoe. Auch Fußballfans haben die Möglichkeit, mit einer kleinen Spende zu helfen. Wetzel: „Wer sich engagieren möchte, kann bereits mit elf Euro Teil der BigShoe-Familie werden und Gutes tun. Zusammen mit den Fans können wir vielen hilfsbedürftigen Kindern operativ helfen."

BigShoe wurde vor der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gegründet. Seitdem konnten die Organisatoren dank großzügiger Spenden bereits mehr als 1200 hilfsbedürftige Kinder in sechs Ländern operieren lassen. 

27. Jul, 2016

Ronaldo Rossi aus Ansbach hilft Kindern in Tansania 

IFUNDA / ANSBACH – Seinen Spitznamen bei Kollegen und Patienten hat er schon lange: Ronaldo Rossi ist der Doktor, der in den Busch geht. Vor wenigen Tagen war es wieder einmal soweit: Der Anästhesist aus Ansbach, der hauptamtlich für die Copf’schen Anstalten in Nürnberg arbeitet, besuchte wieder einmal Afrika – diesmal half er, Kinder in Tansania zu operieren.

Ronaldo Rossi gehört zum Team der Chirurgin Dr. Annemarie Schraml, gleichfalls von den Cnopf’schen Anstalten. Sie ist spezialisiert auf Fehlstellungen und Missbildungen der Beine bei Kindern. Aufgrund mangelhafter Ernährung gibt es gerade in Tansania eine große Häufung von solchen Fällen. Der Doktor aus Ansbach ist seit 2010 dabei. Vorher hat er sich schon bei Interplast, einer Ärzte-Organisation, die sich gleichfalls in Entwicklungsländern aktiv ist, engagiert: „Ich mache das, weil ich meine Freizeit bestmöglich einsetzen will.“ 

An der Arbeit von Annemarie Schraml schätzt er besonders, dass sie Wert auf Nachhaltigkeit legt: „Ich halte nichts davon, wenn Ärzte einmal im Leben in Afrika aufschlagen, temporär sicher Gutes tun, dann aber wieder für immer verschwinden.“ Beim Team Schraml ist das nicht so. Seit dem Jahr 2000 kommt es meist zwei Mal im Jahr nach Tansania. In Zukunft vielleicht sogar noch öfter, denn Annemarie Schraml geht im nächsten Jahr in den Ruhestand. Und den will sie aktiv nutzen. 

Ronaldo Rossi beschränkt sich bei seinen Einsätzen nicht nur darauf, bei den Operationen für Schmerzfreiheit der Patienten zu sorgen, er kümmert sich auch intensiv um die Aus- und Weiterbildung einheimischer Anästhesie-Helfer: „Das muss unser Ziel sein. Wir brauchen möglichst viel Kompetenz bei den Helfern hier aus der Region.“

In diesem Jahr war der Einsatz sogar zweigeteilt, das Team war sowohl im Norden den Landes (Nkoaranga) als auch im Süden (Ifunda) aktiv. Schon schnell gab es erste Erfolgsmeldungen. 

Die Beine der dreijährigen Shania sind so stark verbogen, dass ein Medizinball durchpasst. Selbst Dr. Annemarie Schraml hat solche O-Beine bislang nur selten gesehen. Shania scheint davon kaum beeinträchtigt, sie lacht, spielt in einem langen Rock und freut sich wie ein ganz normales Kind. Annemarie Schraml weiß aber, was der Kleinen droht: „Sie wird schon bald keine längeren Strecken mehr laufen können, auch die Kniegelenke werden dann verschlissen sein.“ Bei der Operation in Ifunda werden die Knochen gedreht und gerichtet, damit sie gerade wieder zusammenwachsen können.  Ronaldo Rossi: „Shanias Beine bleiben jetzt sechs Wochen in einem Gipsverband, doch schon in wenigen Wochen wird sie wieder normal laufen können.“

„Um den Kreislauf der Armut durchbrechen zu können, sind die Menschen in diesem armen Land auf die Funktionsfähigkeit ihrer Beine angewiesen. Nur wenn jemand gehen kann, sind der Schulbesuch, eine Ausbildung und der Erwerb des Lebensunterhaltes möglich“, erklärt Rossi die Notwendigkeit dieses Eingriffes.

Finanziert werden die aktuellen Operationen in Ifunda von der Allgäuer Hilfsorganisation BigShoe, die währendes des Sommermärchens 2006 entstanden ist und nunmehr seit zehn Jahren im Umfeld großer Fußballereignisse Geld sammelt, um Kinder operieren zu lassen, deren Familien sich diese Eingriffe sonst nicht leisten könnten. Prominenteste Unterstützer der Operationen in Tansania, die während der Fußball-EM in Frankreich stattfinden, sind der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und der französische Superstar Paul Pogba.

20. Jul, 2016

Chirurgin aus Nürnberg operiert seit 16 Jahren Kinder in Tansania

Die dreijährige Shania ist ein fröhliches Kind. Trotz extremer Fehlstellung ihrer Beine wackelt sie munter über die Wiese vor dem Hospital in Infunda (Tansania). Ihre Beine sind so stark verbogen, dass ein Medizinball durchpasst. Shania wird am nächsten Tag von Dr. Annemarie Schraml operiert: „Das ist dringend nötig, denn bei dieser Fehlstellung werden die Gelenke so strapaziert, dass das Kind ohne Operation bald im Rollstuhl landen würde.“ Die Chirurgin von den Cnop’schen Kinderklinik in Nürnberg ist seit dem Jahr 2000 in Tansania aktiv. In dieser Zeit hat die Spezialistin für die Beseitigung von Bein-Fehlstellungen und -Missbildungen fast  2000 Kinder operiert.

„Die Kinder hier in Tansania haben meist sehr lange Schulwege. Ein Kind mit extremen Fehlstellungen der Beine kann das nicht leisten“, erklärt Annemarie Schraml: „Nach der Operation können die Kinder wieder die Schule besuchen, einen Beruf erlernen und aus der Spirale der Armut herauskommen.“ Die Ärztin, die in Bad Waldsassen in der Oberpfalz geboren ist, fährt regelmäßig zwei Mal im Jahr für zehn bis 14 Tage nach Tansania um zu helfen: „Wir sind ein reiches Land, und jeder von uns hat die Verantwortung, nach seinen Möglichkeiten etwas zu tun. Außerdem treibt mich persönlich meine christliche Überzeugung an.“

Begleitet wird sie immer von einem Team, bestehend aus Anästhesie-Ärzten und OP-Schwestern. Team-Arzt Dr. Ronaldo Rossi aus Ansbach schätzt an der Arbeit von Annemarie Schraml besonders, dass sie Wert auf Nachhaltigkeit legt: „Sie hält nichts davon, wenn Ärzte einmal im Leben in Afrika aufschlagen, temporär sicher Gutes tun, dann aber wieder für immer verschwinden.“ In Nkoaranga im Norden Tansania, wo das Team Schraml bislang aktiv war, ist mittlerweile eine medizinische Nachbehandlung möglich. Auch gibt es Möglichkeiten, Schienen einzusetzen und Spezialschuhe anzufertigen. Ein Physiotherapeut und eine orthopädische Werkstatt gehören ebenfalls zum Angebot. 

In Ifunda, im Süden des Landes, ist man noch nicht so weit. Das Ehepaar Blaser aus Bad Waldsee, das dieses Hospital initiiert hat, leistete hier zwar in den letzten zwei Jahrzehnten Großartiges. Aber auch ihre Mittel sind begrenzt. Hier ist der Bedarf allerdings auch viel größer, weil, so Annemarie Schraml, „die Menschen hier noch viel ärmer sind als im Norden des Landes“. Hauptursache für die Fehlstellungen bei den Kindern ist die durch Armut verursachte schlechte, weil einseitige Ernährung der Kinder. 

Die Chirurgin, deren ruhige Art selbst in schwierigen Situationen beeindruckt, hat vielleicht in Zukunft Gelegenheit, sich noch mehr zu engagieren und dann vielleicht auch die medizinische Versorgung in Ifunda auf einen guten Stand zu bringen: „Im nächsten Jahr werde ich pensioniert, dann komme ich öfter.“ Ihr Ziel ist es, nicht nur selbst helfen zu können: Wir wollen auch einheimische Ärzte ausbilden, die dann in der Lage sind, noch mehr Kinder zu behandeln.“

Annemarie Schraml hilft zuweilen auch ganz unkonventionell, in dem sie auf Vertrauen Patienten Geld für die Heimreise oder für den Transport in ein anderes Hospital in die Hand drückt. Sie sei selten enttäuscht worden: „Die Menschen müssen sehen und merken, dass wir etwas für sie tun.“ 

Shanias Beinknochen werden getrennt, gedreht und gerichtet, damit sie wieder zusammenwachsen können. Ihre Operation ist, so Annemarie Schraml, sehr gut verlaufen: „Ihre Beine bleiben jetzt sechs Wochen in einem Gipsverband, doch schon in wenigen Wochen wird sie wieder normal laufen können.“

Finanziert werden die aktuellen Operationen in Ifunda von der Allgäuer Hilfsorganisation BigShoe, die während des Sommermärchens 2006 entstanden ist und nunmehr seit zehn Jahren im Umfeld großer Fußballereignisse Geld sammelt, um Kinder operieren zu lassen, deren Familien sich diese Eingriffe sonst nicht leisten könnten. Prominenteste Unterstützer der Operationen in Tansania, die während der Fußball-EM in Frankreich begannen, sind der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und der französische Superstar Paul Pogba.

3. Jun, 2016

Morgen startet das BigShoe-Team nach Tansania. Ärzte aus

St. Gallen in der Schweiz und aus Nürnberg werden dort Kinder mit schwersten Verbrennungen oder angeborenen Klumpfüßen operieren. Ich bin auch bei dieser BigShoe-Aktion wieder dabei und berichte über den ehrenamtlichen Einsatz.

Im Jahr der Fußball-Europameisterschaft wird BigShoe auch wieder von prominenten Fußballstars unterstützt. Der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und sein französischer Kollege Paul Pogba haben in Tansania jeweils elf Patenschaften übernommen.

http://www.bild.de/sport/fussball/mesut-oezil/und-pogba-helfen-opfern-in-afrika-46111796.bild.html

20. Mai, 2016

10 Jahre BigShoe, 10 Jahre Bambi - mit beiden Ereignissen sind großartige Erinnerungen verbunden. In Wangen im Allgäu entstand 2006 Großes, mittlerweile wurden weltweit über 1200 Kinder operiert. Ich durfte von Anfang an dabei sein - zunächst als journalistischer Beobachter, später als aktiver Helfer. Drauf bin ich ein kleinbisserl stolz.