27. Jul, 2016

Der Doktor, der in den Busch geht

Ronaldo Rossi aus Ansbach hilft Kindern in Tansania 

IFUNDA / ANSBACH – Seinen Spitznamen bei Kollegen und Patienten hat er schon lange: Ronaldo Rossi ist der Doktor, der in den Busch geht. Vor wenigen Tagen war es wieder einmal soweit: Der Anästhesist aus Ansbach, der hauptamtlich für die Copf’schen Anstalten in Nürnberg arbeitet, besuchte wieder einmal Afrika – diesmal half er, Kinder in Tansania zu operieren.

Ronaldo Rossi gehört zum Team der Chirurgin Dr. Annemarie Schraml, gleichfalls von den Cnopf’schen Anstalten. Sie ist spezialisiert auf Fehlstellungen und Missbildungen der Beine bei Kindern. Aufgrund mangelhafter Ernährung gibt es gerade in Tansania eine große Häufung von solchen Fällen. Der Doktor aus Ansbach ist seit 2010 dabei. Vorher hat er sich schon bei Interplast, einer Ärzte-Organisation, die sich gleichfalls in Entwicklungsländern aktiv ist, engagiert: „Ich mache das, weil ich meine Freizeit bestmöglich einsetzen will.“ 

An der Arbeit von Annemarie Schraml schätzt er besonders, dass sie Wert auf Nachhaltigkeit legt: „Ich halte nichts davon, wenn Ärzte einmal im Leben in Afrika aufschlagen, temporär sicher Gutes tun, dann aber wieder für immer verschwinden.“ Beim Team Schraml ist das nicht so. Seit dem Jahr 2000 kommt es meist zwei Mal im Jahr nach Tansania. In Zukunft vielleicht sogar noch öfter, denn Annemarie Schraml geht im nächsten Jahr in den Ruhestand. Und den will sie aktiv nutzen. 

Ronaldo Rossi beschränkt sich bei seinen Einsätzen nicht nur darauf, bei den Operationen für Schmerzfreiheit der Patienten zu sorgen, er kümmert sich auch intensiv um die Aus- und Weiterbildung einheimischer Anästhesie-Helfer: „Das muss unser Ziel sein. Wir brauchen möglichst viel Kompetenz bei den Helfern hier aus der Region.“

In diesem Jahr war der Einsatz sogar zweigeteilt, das Team war sowohl im Norden den Landes (Nkoaranga) als auch im Süden (Ifunda) aktiv. Schon schnell gab es erste Erfolgsmeldungen. 

Die Beine der dreijährigen Shania sind so stark verbogen, dass ein Medizinball durchpasst. Selbst Dr. Annemarie Schraml hat solche O-Beine bislang nur selten gesehen. Shania scheint davon kaum beeinträchtigt, sie lacht, spielt in einem langen Rock und freut sich wie ein ganz normales Kind. Annemarie Schraml weiß aber, was der Kleinen droht: „Sie wird schon bald keine längeren Strecken mehr laufen können, auch die Kniegelenke werden dann verschlissen sein.“ Bei der Operation in Ifunda werden die Knochen gedreht und gerichtet, damit sie gerade wieder zusammenwachsen können.  Ronaldo Rossi: „Shanias Beine bleiben jetzt sechs Wochen in einem Gipsverband, doch schon in wenigen Wochen wird sie wieder normal laufen können.“

„Um den Kreislauf der Armut durchbrechen zu können, sind die Menschen in diesem armen Land auf die Funktionsfähigkeit ihrer Beine angewiesen. Nur wenn jemand gehen kann, sind der Schulbesuch, eine Ausbildung und der Erwerb des Lebensunterhaltes möglich“, erklärt Rossi die Notwendigkeit dieses Eingriffes.

Finanziert werden die aktuellen Operationen in Ifunda von der Allgäuer Hilfsorganisation BigShoe, die währendes des Sommermärchens 2006 entstanden ist und nunmehr seit zehn Jahren im Umfeld großer Fußballereignisse Geld sammelt, um Kinder operieren zu lassen, deren Familien sich diese Eingriffe sonst nicht leisten könnten. Prominenteste Unterstützer der Operationen in Tansania, die während der Fußball-EM in Frankreich stattfinden, sind der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und der französische Superstar Paul Pogba.